Kai-Ingmar Weikert ist seit mehr als 30 Jahren Mitglied in der Sparte Motorrad, seit einem Jahr in Rente und hat sich nun seinen Lebenstraum erfüllt: einmal die legendäre amerikanische Fernstraße Route 66 mit dem Motorrad von West nach Ost zu befahren. Ein ganz persönlicher Bericht.
Ich sitze seit meinem 16. Lebensjahr auf dem Motorrad und habe in dieser Zeit einige Motorräder besessen. Wie bei vielen anderen Bikern auch, haben Höhen und Tiefen mein Leben begleitet, aber das Motorradfahren war immer eine feste und wichtige Größe. Als dann vor rund einem Jahr mein Ruhestand begann, war es auch nur konsequent, meinen großen Traum zu verwirklichen: einmal die Route 66 zu fahren.
Flug nach Los Angeles, Tourstart in Santa Monica
Ende August steige ich in den Flieger nach L.A. Ich habe statt Frankfurt extra München gewählt, um nochmal in den Genuss eines A380 zu kommen, in meinem Fall war es die D-AIMA.
Ich habe zwar einige Erfahrung, was lange Motorradtouren angeht, doch auch diesmal habe ich wieder viel Zeit investiert, um im Vorwege die Gepäckfrage gründlich zu klären. Übrigens habe ich mich bewusst für die Gegenrichtung entschieden, also von L.A. nach Chicago und nicht wie üblich, von Chicago nach L.A. Aber das ist am Ende Geschmacksache.
Kult, Nostalgie und riesige Steaks auf dem Weg nach Osten
Nach der Übernahme meiner Harley Davidson „Road Glide“ in L.A. geht es als erstes zum Harley Dealer in L.A., um dort natürlich ein Souvenir zu kaufen. Nach diesem „Pflichtbesuch“ führt der Weg raus aus der Stadt und über Barstow in Richtung Las Vegas. Auf dem Weg dahin lohnt sich ein kurzer Stopp an der Bottle Tree Ranch (eine Kunstform mitten in der Wüste) und Roy’s Motel & Cafe - ein bisschen in die Jahre gekommen, aber absoluter Kult! Kurz vor Las Vegas gilt es noch, eine Kunstausstellung zu besuchen: die 7 Magic Mountains. In Las Vegas hat mich am meisten die „Sphere“ beeindruckt, eine neu erbaute, kugelförmige Eventlocation mit der größten LED-Leinwand der Welt. Ja, ich weiß, Las Vegas liegt nicht an der Route 66, aber das war ein persönlicher Wunsch von mir, deswegen der kleine Umweg.
Der Weg zurück zur Route 66 führt mich über den Hoover Dam nach Kingman. Nach dem obligatorischen Foto am Ortseingang geht es noch auf eine Sonderstrecke, die ich nur jedem empfehlen kann: Besucht Oatman und fahrt die „Sidewinder“ runter. Das Oatman Hotel (alle Decken und Wände sind voller Dollar Scheine) und die Esel in der Stadt gehören zum Pflichtprogramm. Es folgt Prescott. Und überall treffe ich auf nette Amerikaner, mit denen man einfach so zwanglos ins Gespräch kommt. Einfach nur klasse!
Nun geht es nach Flagstaff und damit wird es ab jetzt hügelig. Kurvige Landstraßen, die einen Motorradfahrer durch eine wirklich schöne Landschaft begleiten. Ab hier merkt man, es wird von Tag zu Tag grüner, je weiter es nach Osten geht. Wenn die Zeit dafür da ist, empfehle ich einen Besuch in Williams, um einmal die Grand Canyon Railroad zu besuchen.
Die Flintstones und die Eagles
Ein Spaßbesuch ist dagegen Bedrock City. Wer auf den Spuren der Flintstones wandern möchte, ist hier genau richtig. Es geht weiter nach Gallup. Mein Highlight ist der Besuch in Winslow. Ich bin mit der Band Eagles (Song: „Take It Easy“) groß geworden und deswegen ist dieser Besuch ein Muss für mich! Nächste Station ist Santa Fe. Bekannt aus vielen Filmen meiner Kindheit habe ich mich sehr gefreut, diese Stadt einmal persönlich kennenzulernen. Es folgt Tucumcari. Unterwegs lohnt ein Stopp im Auto Museum von Santa Rosa. Weiter nach Amarillo und hier gibt’s ebenfalls Autos, und zwar Cadillacs. Aber nicht einfach so, sondern halb im Sand vergraben. In Amarillo kommen Steak-Fans auf ihre Kosten: Wer es schafft, ein zwei kg schweres Steak inklusive Beilagen innerhalb von 60 Minuten zu essen, bekommt die Mahlzeit umsonst. Wer aufgibt, zahlt die volle Zeche, ca. 72 Dollar.
Große Zufriedenheit nach mehr als 5.000 Kilometern
Weiter geht’s nach Oklahoma, vorher ist aber noch ein Besuch auf der Slug Bug Ranch drin. Etwas außerhalb von Oklahoma wartet das Sodamusuem POPS 66. Tulsa ist die nächste Station mit dem Golden Driller und weiteren gigantischen Figuren am Straßenrand.
Es ruft der nächste Ort, nämlich St. Louis. Zu St. Louis gehört natürlich der Gateway Arch. Kurz vor Chicago wird es nochmal historisch, denn hier gibt es die „Old Brick Lane“, ein altes Stück Fahrbahn der Route 66, bestehend aus einzelnen Ziegelsteinen. Nach über 5.000 Kilometern und 21 Tagen „on the road“ erreiche ich voller Zufriedenheit Chicago. Für mich, ein wahr gewordener Traum. Ein tolles Gefühl! Übrigens, in 2026 wird die Route 66 genau 100 Jahre alt.
Wer noch mehr sehen möchte, der findet auf meinem Instagram Account breakout.kaischi2022 zu jedem einzelnen Tag ein kurzes Video. Viel Spaß damit!
Text und Bilder: Kai-Ingmar Weikert